Ein alter Getreidebunker sprengt alle Dimensionen

Mit exklusiven Materialien und Mut zur Transparenz erweitert ein weltoffenes Unternehmen seinen Stammsitz in Hamburg 

Imposant ist der Stammsitz des weltweit agierenden deutschen Familienunternehmens ohne Frage: Teils Neubau, teils alter Getreidebunker, verfügt der sechsstöckige Gebäudekomplex in der Hafencity in Hamburg über eine Fläche von mehreren zehntausend Quadratmetern.

So ist es kein Wunder, dass ich die Sanierung bei laufendem Betrieb als wahren Kraftakt beschreibe: „Allein die Wandstärke des alten Getreidebunkers betrug zwischen 1,20 und 1,70 Meter“, soweit ich mich erinnere, und dies ist nur eine der zahlreichen Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert waren.

Die Aufgabe: die gesamte Detailarbeit und Umsetzung, darunter Kantine, Empfang, sowie sämtliche Konferenz- und Besprechungsräume im laufenden Betrieb, umzugestalten.

Über einen Zeitraum von drei Jahren arbeiteten wir an der Erstellung der 3D-Pläne für die Gestaltung und daraus resultierenden Konstruktionen und begleiteten die komplette Umsetzung bis zur Fertigstellung. Von Kapitellen aus Stahl, die einzeln demontiert, aufgearbeitet, lackiert und schließlich wieder montiert werden mussten, über die Herstellung neuer Trennwände, Decken und Fußböden bis hin zu Fußleisten mit einer Gesamtlänge von beeindruckenden gut sieben Kilometern: „Das Ganze war unglaublich aufwändig und umfangreich.“

Massive Rundungen federleicht

Mit gewendelter Stahltreppe und hinterleuchtetem Stahltresen erhielt der historische Teil des Gebäudes zwei moderne, massive und an die Schifffahrt angelehnte Elemente für den zentralen Eingangsbereich. Ein Kraftakt war auch die Herstellung des imposanten Empfangstresens: Den acht Millimeter dicken gewalzten Stahl der Frontplatte fertigte eine Werft im Hamburger Hafen in einem Stück. Hinter dem mit LED hinterleuchteten Tresen integrierte ich zwei vollwertige Arbeitsplätze, die mit der Gesamtkommunikation im Haus verbunden sind.

Der Tresen befindet sich mit sieben Stufen abwärts und damit fast 1,40 Metern unter dem Bürgersteigniveau – für den Transport des in einem Stück gefertigten Tresen Schildes nicht gerade optimale Voraussetzung: „Die Tresen Front wiegt etwa eine Tonne und diese hier hineinzuschieben, war trotz geöffneter Wand und Tele Kran ungeheuer schwer, denn es ist einfacher, etwas Schweres nach oben zu bewegen, als nach unten“.

In Einzelteilen gelangte dagegen die Wendeltreppe an den dafür vorgesehenen Platz: Die aus Stahl gewalzten Stücke wurden erst innen komplett verschweißt und anschließend verputzt.

Transparentes Arbeiten in historischer Umgebung

Exklusiv und in höchstem Maße funktional wurden die Konferenzräume gestaltet. Eine gelungene Mischung aus großzügigen Glasflächen zwischen den historischen Backsteinsäulen und weißen Trennwänden
erlaubt Einblicke und gewährleistet gleichzeitig die nötige akustische Trennung, ohne dabei den historischen Charakter des Hauses zu verdecken.

Auch bei der Einrichtung der Konferenzräume legte ich größten Wert auf eine optimale Kombination aus Funktionalität und klassisch zeitlosem Design mit hohem Qualitätsanspruch. So lässt sich nicht nur der gesamte Raum bei Bedarf durch eine elektrisch steuerbare Wand mittig teilen, die zwei gleich großen Räume sind dank doppelt vorhandener Medien- und Netztechnik auch jeweils komplett ausgestattet und somit unabhängig voneinander nutzbar.

Diese Technik ließ ich hinter eigens gestalteten und konstruierten Glasschiebetüren verschwinden. Die insgesamt sechs 3,40 Meter hohen Türen aus Sicherheitsglas verschwinden. Variabel möbliert wurde der Raum mit vier Konferenztischen und Freischwingern von Wilkhahn.

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