Lächelnde Putten im Stuck, moderne Designermöbel und eigene Entwürfe
„Feel free“ lautete die Ansage der neuen Eigentümer der Hamburger Altbauwohnung, als sie mich mit der Sanierung und Gestaltung der 5,5 Zimmerwohnung beauftragten.
Ich legte im Zuge der aufwändigen Umbauarbeiten ein echtes Schmuckstück frei und schuf für die vierköpfige Familie ein perfektes Zuhause.
„Fürchterlich“ sei der Zustand vor der Sanierung gewesen, so empfand ich dies, nach einer 10-monatigen Planungsphase mit meinem Team wurden die umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen in Angriff genommen .Sie umfasste neben der kompletten Überarbeitung der Elektrik + Sanitärleitungen auch die Aufarbeitung der Pitchpine-Böden sowie die Wiederherstellung des Originalzustandes der Decken und Wände.
„Die Wände waren mit einer undefinierbaren Schlammtechnik völlig verschmiert. Wir haben vier Wochen gebraucht, um mit kleinen Hämmerchen den ursprünglichen Putz von 1885 freizulegen, und den Stuck haben acht Stuckateure innerhalb von sechs Wochen ausgekratzt“, erinnere ich mich, denn bei solchen Fällen arbeite ich seit vielen Jahren mit denselben Fachleuten zusammen – Experten, die statt auf Chemie lieber auf aufwändige Handarbeit setzen. Dabei kamen sogar die ursprünglichen
Gesichtsausdrücke der Putten wieder zum Vorschein, die, statt erneut unter Farbschichten zu verschwinden, nun nur mit Pigmenten eingenebelt wurden.
Mit meinem sicheren Gefühl für die stilvolle, aber persönliche Gestaltung der Räume machte ich mich an die Arbeit: im Wohnzimmer sorgen runde Formen, sanfte Töne und ein paar rote und grüne Akzente für eine entspannte Atmosphäre. So bilden Sofa und Sessel von Moooi, Couchtische von Zanotta und Leuchten von Moooi und Tobias Grau und Flos für ein stimmiges Ensemble, Bilder des Künstlers Karl Bohrmann rundeten das Konzept ab und geben dem Raum eine persönliche Note.
Gleich hinter dem Wohnzimmer und durch eine Flügeltür verbunden, befindet sich das Esszimmer, das als Durchgangszimmer zwischen Wohn- und Herrenzimmer auch gestalterisch eine Brücke schlägt – zwischen dem hellen und großzügigen Wohnzimmer und dem dramatisch, fast höhlenartig wirkenden Herrenzimmer. Mit graugrünen Wänden, die vor dem weißen Stuck besonders leuchtend strahlen, wiederkehrenden runden Formen und pink- und lilafarbenen Akzenten gestaltete ich das kommunikative Zentrum der Wohnung so ausgewogen wie lebendig. Mit einem lilafarbenen Wollbezug und schwarz lackiertem Stahlrohr passen die Le Corbusier Sessel rechts und links des Fensters harmonisch in das Farbkonzept des Raumes. In den beiden gemütlichen Leseecken stehen die Bücher griffbereit auf scheinbar freischwebenden Regalböden aus weiß lackiertem Aluminium, eigene aus meiner Feder.
Eigens für das Herrenzimmer entwarf ich zwei hellblaue Möbelstücke, die vor den schlammfarbenen dunklen Wänden gut zur Geltung kommen. Der Stuck hebt sich mit seinem Braunton leicht von den Wänden ab und verstärkt den edlen Effekt. Ein in den Schrank integrierter Kleiderlift lässt jeden Zentimeter bequem erreichen. Den Wäschekorb aus Leder habe ich auf einem Flohmarkt entdeckt. Ein Bild von Jackson Pollock schmückt die Wand neben dem Kleiderschrank. Auch das Sideboard am Fußende des Bettes entwarf ich eigens für den Herr im Haus. Der Rahmen besteht wie das Bett aus massivem Wengéholz.